Donnerstag, 18. Januar 2018

Richter: Sinfonias, Sonatas & Oboe Concertos (Christophorus)

Franz Xaver Richter (1709 bis 1789) stammte aus Mähren und wirkte zunächst als Bassist. 1740 wurde er erst Vizekapellmeister und später auch Kapellmeister am Hofe des Kemptener Fürstabtes; 1746 erhielt er eine Anstellung in der berühmten Mannheimer Hofkapelle des Kurfürsten Karl Theodor, wo er es immerhin bis zum Cammercompo- siteur brachte. 1769 wurde Richter dann Kapellmeister des Straßburger Münsters – was damals ein bedeutendes Amt darstellte; die Kapelle dort war die zweitgrößte in Frankreich. Soweit die trockenen Fakten. 
Die vorliegende CD zeigt uns Richter als einen Komponisten, der vielerlei Einflüsse in sein Schaffen integrierte. In seinen Werken spiegeln sich italienische Vorbilder, herausragendes kontrapunktisches Können, frühklassische Klarheit und Eleganz, Vergnügen an der Kantilene, und auch so manche musikalische Innovation, die wir heute der Mannheimer Schule zurechnen. 
Zu hören sind drei Sinfonien, zwei Triosonaten und ein faszinierendes Oboenkonzert, das einen dauerhaften Platz im Repertoire durchaus verdient hätte. Das Capricornus Consort Basel präsentiert Richters Musik inspiriert und mit sehr viel Charme. Den Oboenpart spielt Xenia Löffler mit Präzision und wunderbarem Ausdruck. Wenn es um die historische Aufführungspraxis geht, ist diese Musikerin derzeit unübertrefflich. 

Montag, 15. Januar 2018

Arve Tellefsen plays Ole Bull (Simax)

Ole Bornemann Bull (1810 bis 1880) und Edvard Grieg waren die ersten Musiker aus Norwegen, die weltweit berühmt wurden. Bereits im Kindesalter glänzte Ole Bull mit seinem Geigenspiel. Dennoch sollte er Pfarrer werden, aber die Eignungs- prüfung zum Theologiestudium bestand er nicht – und so wurde letztendlich doch die Musik sein Lebensinhalt. 
Als Geiger kam er weit herum. So hörte er 1831 in Paris Niccolò Paganini, was ihn sehr beeindruckte (und wohl auch dazu motivierte, seine Technik zu verbessern). Auch den deutschen Violinvirtuosen Louis Spohr besuchte Bull; Konzertreisen führten ihn nach Irland und England sowie in die USA.  
Der norwegische Geiger Arve Tellefsen engagiert sich seit vielen Jahren, um das Schaffen seines Landsmannes wieder einer größeren musikali- schen Öffentlichkeit nahezubringen. So hat er zum 200. Geburtstag von Ole Bull im Jahre 2010 eine CD mit Werken des Jubilars eingespielt. 
Das Programm enthält einige Stücke für Violine und Orchester; hier ist Tellefsen zusammen mit dem Trondheim Symphony Orchestra unter Leitung von Eivind Aadland sowie mit einem Streicherensemble zu hören. So erklingen das Nocturne for fiolin og orkester aus dem Jahr 1842 oder das Adagio Sostenuto, der zweite Satz aus Bulls Violinkonzert in e-Moll, entstanden 1840/41. 
Im Jahre 1873 trat Ole Bull gemeinsam mit dem Pianisten Edvard Grieg in Boston auf. Tellefsen hat für diese CD zwei Stücke von Grieg herausge- sucht, die damals auf dem Programm standen. Und er hat eine Vielzahl kleinerer Stücke zusammengetragen, um dem Hörer einen Eindruck von jenem speziellen Klang zu geben, der Bulls Werken offenbar zu eigen ist: Bulls Musik ist ausgesprochen virtuos, und melodiös-melancholisch. Es sind romantische Miniaturen von einem ganz eigenen Charakter – und man kann Tellefsen gar nicht dankbar genug dafür sein, dass er auf diese musikalischen Schätze aufmerksam macht.